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Was kann eine Sammlung von Überraschungsei-Figuren für die Leistung von Hartz IV bedeuten?17.5.2010

Ein 23-jähriger Detmolder, Thomas Schulze*, sammelt Figuren aus Überraschungseiern und das könnte für ihn Kürzungen seiner Hartz IV Bezüge bedeuten.

Sein erstes Überraschungsei bekam der junge Mann von seiner Mutter geschenkt, als er fünf Jahre alt war. Mittlerweile hat der Hartz IV Empfänger, der mit seiner Mutter zusammenlebt, 400 Figuren aus Überraschungseiern gesammelt. “Diese Figuren sind unser einziges Hobby”, erzählt er. Jede Woche bringt er zwei Überraschungseier von seinem Wocheneinkauf mit.

Da er mit anderen Sammlern seine Ü-Eier Figuren auf einer Internetseite präsentiert, blieb dem Amt seine Leidenschaft nicht verborgen. Nun bekam Thomas Schulze* eine Überraschung der anderen Art, denn die Beamten vermuten, dass er bei seinen Figuren wertvolle Sammlerstücke besitzt. Im April ging dem 23-jährigen Sammler dann Post von seinem Amt zu, mit der Aufforderung, den Wert seiner Sammlung anzugeben. Per Telefon wurde ihm dann mitgeteilt, dass  man seine Hartz IV Bezüge entsprechend des Wertes seiner Sammlung kürzt.

Die Sprecherin der Behörde sagte: “Wir wissen, dass es Figuren aus Überraschungseiern gibt, für die Sammler mehrere hundert Euro bezahlen. Solche Figuren wären natürlich ein Vermögen, das angerechnet werden müsste, und deshalb muss Herr [Schulze*] das Formular ausfüllen.”

(*Name geändert)

Den gesamten Artikel findet man beim WESTFALEN-BLATT

Machen es sich manche Menschen mit Hartz IV bequem?04.5.2010

Sie könnten eigentlich arbeiten und sind noch jung, aber doch leben 230 000 Berliner Jugendliche unter 25 Jahren von Hartz IV. Von ihren Eltern kennen das viele schon. In ihren Familien sind sie bereits die zweite Generation, die Stütze bekommt, denn Arbeit ist für sie ein Fremdwort – so wie für Jaqueline B. (18).

In Marzahn-Hellersdorf traf ein Team von “Stern TV” die junge Frau. Es leben 250 000 Einwohner in diesem Berzirk und davon beziehen über 50 000 Hartz IV.

So auch die Familie von Jaqueline. Seit 20 Jahren ging da keiner mehr arbeiten. Seit der Zeit sind ihre Eltern ohne Job. Aus diesem Grund ist es für die Tochter schon eine Selbstverständlichkeit geworden: Keine Arbeit bekommen (oder wollen), dafür Stütze kassieren.

Nun ist Jaqueline im fünften Monat schwanger und lebt mit ihrem Freund (19) noch im Kinderzimmer. Aber die Hartz IV Ansprüche kennt sie ganz genau. Die beiden wollen eine Wohnung – jeder eine. “Das steht uns zu”, sagt die werdende Mutter. Sie weiß allerdings nicht, woher das Geld für Hartz IV kommt.

“Das Geld kommt von den Steuern, die jeder arbeitende Mensch zahlt. Die Gesellschaft zieht dich mit, bist du deine Ausbildung fertig hast”, klärt Christine ihre Tochter auf.

“Warum sollen Leute, die arbeiten gehen, Leuten, die nicht arbeiten gehen, den Arsch retten?”, sagt Jaqueline und findet das “voll dämlich”. Jaqueline richtet sich trotzdem auf ein Hartz IV Leben ein.

Wolfgang Büscher vom Kinder- und Jugendwerk Arche sagt: “Wenn ich zu Hause nur Hartz IV lerne, dann lebe ich auch später Hartz IV. Wir haben hier viele Kinder, die sagen: ,Wenn ich groß bin, will ich wie Mama auch Hartz IV bekommen.’”

Diese erschütternde “Stern TV”-Reportage mit dem Titel: “In meiner Familie arbeitet niemand! – Zweite Generation Hartz IV” läuft heute um 22.15 Uhr, auf Vox. Diese Informationen kann man beim Berliner Kurier nachlesen.

Wieso werden Hartz IV Kinder ausgegrenzt?28.4.2010

In Villingen-Schwenningen rennen die beiden Buben freudig den Nachbarskindern und dem Ball entgegen. Diese  kehren ihnen aber plötzlich den Rücken zu und verschwinden im Haus. Die Kinder von Hartz IV Empfängern leiden oft unter sozialer Isolation, während sich die Eltern vor allem um neue Jobs und ums finanzielle Überleben sorgen.

Die 30-jährige alleinerziehende Mutter zweier vier und fünf Jahre alter Jungs erinnert sich an ihre kurze aber einprägsame Zeit in einem kleinen Schwarzwald-Dorf: “Schon der Gang zum Spielplatz war eine Qual.” Sie wohnt seit kurzem  in St. Georgen und “dort ist alles wirklich viel besser”.

Ebenfalls schmerzliche Erfahrungen machte ein 33-jähriger Vater zweier Jungs in einer Kurstadt im Kreis. “Kurz nachdem wir in einer guten Wohngegend als Mieter eingezogen waren, hat man uns noch zum Grillen eingeladen. Als wir uns als Hartz-IV-Empfänger vorstellten, war es aus” berichtet er.

Am schlimmsten war es für ihn und seine Frau, “dass die Kinder niemanden mehr zum Spielen hatten”. Sogar im Kindergarten seien sie vom Sport ausgeschlossen worden, denn sie hatten nicht die richtigen Sportschuhe an. Nun lebt die Familie in Villingen und macht andere Erfahrungen, “weil unsere Nachbarn von überall her kommen”. Diese beiden Hartz IV-Empfänger verbindet jedoch noch mehr als die quälende Erfahrung, dass “der Rollladen heruntergeht, sobald Du Dich als Hartz IV Empfänger ausgibst”.

Aufgrund von Krankheit und Alkoholsucht, lernten sich die beiden Hartz IV Empfänger in der Talentwerkstatt der Diakonie Schwarzwald-Baar kennen. In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit soll diese Einrichtung Arbeitslose mit sozial- und theaterpädagogischen Angeboten stabilisieren, damit sie wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können. Die Beiden kennen die Not, als Hartz IV Empfänger noch eine Wohnung zu finden, “vor allem wenn man zwei Kinder hat”. Sie sind verbittert, dass ihnen von dem erhöhten Kindergeld nicht viel bleibt, da dieses ja mit anderen Leistungen verrechnet wird. Sie sehen jedoch einen großen Unterschied zwischen Männern und Frauen: “Einer Mutter sieht man es eher nach, wenn sie Hartz IV ist, ein Mann dagegen ist sofort unten durch.”

In der Talentwerkstatt gewinnen beide langsam ihr Selbstwertgefühl zurück und können vor allem zu ihren Kindern sagen: “Ich bin bei der Arbeit.” Zwischen 120 und 200 Euro zu den 700 Euro Unterstützung lassen sich so hinzu verdienen, die ihnen zu dritt oder viert zum Leben bleiben. Die beiden Hartz IV Empfänger haben kein Problem damit, für 1,50 Euro die Stunde zu arbeiten. ganz im Gegensatz zu anderen. “Das ist gerecht, ich bekomme doch staatliche Leistungen”, sagt die 30-jährige Mutter. “Manchmal arbeite ich bis spätabends, einfach nur wegen des Gefühls, mein Soll erfüllt zu haben”, ergänzt der Vater, der in einer Alkoholikerfamilie aufwuchs und als kleiner Bub von seinem Vater verdroschen wurde.

An dem Tag, an dem er seinen ersten Lohn über die Diakonie bekam, “ging ich vor lauter Freude mit meinen Kindern erstmal Eis essen. Ich täte fast alles, um wieder in Lohn und Arbeit zu kommen”. Für Kinder sei es besonders wichtig, dass der Vater einen Job hat, sinniert die zweifache Mutter, “und wenn es nur der 1,50 Euro-Job ist, wie bei meinem Ex-Mann”.

Den Originalbericht von Eva-Maria Huber kann man auf der Webseite www.schwarzwald-bote.de finden.

Viele junge Menschen sind bereits auf Hartz IV angewiesen. Liegt es daran, dass sie oft noch nicht reif fürs Berufsleben sind?16.4.2010

Ein 28-Jähriger, der inzwischen die Höhen und Tiefen der Arbeitssuche hinlänglich kennt sagt: “Ich war zu jung, um entscheiden zu können, was ich möchte.” Nachdem er die Hauptschule relativ gut absolviert hat, hätte er dann aber gerne über die Werkrealschule einen höheren Abschluss angestrebt. Doch die Eltern zögerten mit den Worten: “Lerne einen Beruf und verdiene Geld.” Einen Realschul-Versuch hatte er da bereits hinter sich.

Den damals 17-Jährigen überzeugte die Verlockung auf eigenes Geld und er begann eine Lehre als Zimmermann. Diese hat er auch durchgestanden, wenngleich er dabei “nicht sonderlich viel” gelernt habe. Auf den Baustellen sei er meist nur mit Hilfsdiensten betraut worden. Mittlerweile weiß er, dass er in seinem erlernten Beruf schlechte Karten hat, nachdem ihm die geforderten Kenntnisse zum Einbau von Solar- und Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern fremd sind.

Er wurde nach der Lehre nicht übernommen (”wegen der Bauflaute”) und war dann mit 20 erstmals arbeitslos. Von der Agentur für Arbeit wurde er dann  zu einem Jugendförderkurs in den Waldeckhof nach Göppingen geschickt. Dort hat man den jungen Mann in der Garten- und Landschaftspflege eingesetzt. In den Computer- und Deutschkursen, die im theoretischen Unterricht angeboten wurden, fühlte er sich allerdings unterfordert. Eine solche Nachhilfe habe er nicht gebraucht, sagt er und kritisiert, dass das Bildungsniveau der Teilnehmer sehr unterschiedlich gewesen sei. Bereits nach einem Monat gab er auf, weil er eine Stelle bei einem größeren Holzunternehmen in Aussicht hatte. Er überdauerte jedoch nur die Probezeit. Den Grund dafür sieht er darin, dass er nie richtig gelernt habe, selbstständig zu arbeiten.

Er verzichtete dann auf Unterstützung durch die Agentur für Arbeit, denn er war noch bei den Eltern wohnhaft und wurde von ihnen versorgt. “Ich dachte, ich schaffe es von allein.” Und tatsächlich kam er bald bei einem Landschaftsgärtner unter. Das Pech war nur, dass dieser wenig später pleite ging.

Danach folgte eine schlechte Erfahrung mit einer Leiharbeitsfirma, denn obwohl er im Aufnahmeverfahren die Frage nach Schichtarbeit mit “nein” beantwortet habe, sei dies nicht akzeptiert worden. Anschließend fand er dann eine feste Anstellung in einem Biergarten, wo er über drei Sommer hinweg der Bierzapfer war. Bei entsprechender Sparsamkeit habe ihm das verdiente Geld über die Wintermonate gerettet. Er sparte sich dabei auch die Beiträge zur Krankenversicherung und genoss so während der Wintersaison keinen Versicherungsschutz. Aber das war ihm egal.

Als ihn dann seine Eltern schließlich vor die Tür setzten, sodass er ein eigenes Zimmer anmieten musste, verschaffte ihm ein Job als Speditionsfahrer finanzielle Luft – das aber auch nur vorübergehend, denn der Betrieb wurde insolvent. Dies war 2006. Er meldete er sich nun arbeitslos – und bekam ein Jahr lang Arbeitslosengeld I.

Mit seiner Freundin zusammen, die eine Arbeitsstelle hatte und sich zudem auf Unterhaltszahlungen und Kindergeld stützen konnte, hielt er sich “gut über Wasser”, berichtet er. Sie zogen dann gemeinsam in eine kleine Mietswohnung aber die finanzielle Situation änderte sich, als er in Hartz IV rutschte und Arbeitslosengeld II bekam. Da als “eheähnliche Gemeinschaft” veranlagt wurden, stand ihm nicht der volle Hartz IV zu.

Es kam noch schlimmer, als seine Freundin ein Studium begann und – da ihre Eltern auch nicht gerade betucht sind und nun BAföG Unterstützung bezog. Es fehlte nun nicht nur ihr bisheriges Gehalt, sondern das geringere BAföG kürzte weiterhin den Hartz IV Satz ihres Partners.

“Sicher mehr als hundert Bewerbungen” – weit mehr, als fünf pro Monat, schrieb der Junge Mann, wie sie das Job-Center einfordert. Er klagte darüber, dass von dort ohnehin nur verschwindend wenige Angebote gekommen seien, obwohl er seine Stellensuche auch auf Kurierfahrer oder Bauhilfsjobs ausgedehnt habe.

Nun bekam er zu spüren, was es heißt, mit minimaler Unterstützung zu leben. Die sozialen Kontakte brechen ab. “Ich habe nur noch Aktivitäten gesucht, die nicht viel kosten.” Als nun eines Tages ein unerwartetes Job Angebot nur daran scheiterte, dass er nicht Gabelstapler fahren konnte, drängte er eigenen Worten zufolge das Jobcenter, ihm eine solche Ausbildung zu ermöglichen. Diese Ausbildung sei ihm zuvor nie vorgeschlagen worden, kritisiert er. Dafür häufige Hinweise auf  Hartz IV Sanktionen, die ihm drohten, wenn er dieses oder jenes nicht einhalte.

Anfang April  bescherte ihm der Gabelstapler-Führerschein tatsächlich einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma, wo ihm auch Lohn und Vertragsbedingungen zusagen. Er ist schon voll Euphorie: “Die finanzielle Lage entspannt sich und man fühlt sich ganz anders, nicht mehr so eingeengt.” Seine Freundin wird auch einen Ferienjob annehmen können, ohne dass dies seine Einkünfte schmälert. Endlich vorbei auch die Zeit, in der alles, was mit Geld zu tun hat, streng überwacht wurde. Bei all dem ist ihm klar geworden: “Ist man Hartz IV Empfänger, wissen die mehr über einen als man selbst.”

Der ursprüngliche Artikel wurde von der Südwest Presse veröffentlicht.


Keine Hartz IV Nachzahlung für die Linken-Stadträtin?31.3.2010

Aufgrund einer Aufwandsentschädigung in Höhe von 651 Euro wurde der Würzburger Linken-Stadträtin Belinda Brechbilder Hartz IV gestrichen. Sie klagte dagegen.

Stadträtin Belinda Brechbilder (Die Linke) bekommt keine Hartz IV Nachzahlung für die Monate Juni bis September 2008. Das Sozialgericht Würzburg hat am Montag eine Klage der 48-jährigen Kommunalpolitikerin gegen die Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Grundsicherung (ARGE) Würzburg abgewiesen.

Im Frühjahr 2008 wurde Belinda Brechbilder für die Linke in den Würzburger Stadtrat gewählt und erhielt dafür monatlich 651 Euro als Aufwandsentschädigung. Diese Stadtrats-Vergütung wurde von der ARGE als Einkommen angerechnet und das bereits bis September gewährte Arbeitslosengeld II gestrichen.

Vom Sozialgericht wurde diese Entscheidung bestätigt: Die Anfechtungsklage der Stadträtin gegen den Aufhebungsbescheid der ARGE war erfolglos.

Unter anderem stützten sich die Richter auf eine Entscheidung des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 1998: Demnach müsse sich Frau Brechbilder ihre Aufwandsentschädigung anrechnen lassen, “soweit sie der Steuerpflicht unterliegt”, erläuterte der Vorsitzende Richter Jürgen Martin.

Beim Finanzamt hat das Gericht recherchiert: Lediglich 204 Euro der Stadtratsvergütung sind pro Monat steuerfrei. Alles was darüber hinausgeht, muss versteuert und damit von der ARGE auch als Einkommen angerechnet werden. Außer, Belinda Brechbilder könnte höhere Ausgaben für ihre kommunalpolitische Tätigkeit nachweisen. “Diesen Nachweis hat die Klägerin im vorliegenden Fall aber nicht geführt”, sagte Gerichtssprecher Jochen Strnischa. Die Stadträtin befürchtet Probleme mit dem Datenschutz, wenn sie zum Beispiel Ausgaben für vertrauliche Gespräche mit Bürgern belegen muss.

“Ich habe nicht erwartet, dass ich hier Gerechtigkeit bekomme”, äußerte sich die 48-Jährige zu diesem Urteil. In der Zwischenzeit bezieht sie keine Sozialleistungen mehr, sondern verdient ihren Lebensunterhalt als Mitarbeiterin der Bundestagsabgeordneten Kornelia Möller im Würzburger Parteibüro der Linken. Es geht bei der Klage um eine Nachzahlung von mehreren hundert Euro und die Stadträtin will den Präzedenzfall trotzdem geklärt haben. Deshalb wird sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. Das Sozialgericht geht von einer “grundsätzlichen Bedeutung der zu klärenden Rechtsfrage” aus und hat deshalb trotz des geringen Streitwerts die Berufung zum Landessozialgericht zugelassen.

Diese Informationen kann man bei sueddeutsche.de nachlesen.

Hartz IV: Ausgeträumt?25.3.2010

Zu Beginn war Hartz IV ein Versprechen, es sollte die Jahrhundertreform werden und die Arbeitslosenzahlen halbieren. Reporter waren  nun 5 Jahre mit Hartz IV Empfängern in Hagen in Westfalen unterwegs.

In der Reportage von Julia Friedrichs, Eva Müller und Markus Zeidler zieht man Bilanz.

Ist die Sozial- und Arbeitsmarktreform ein Instrument, um die Arbeitslosenzahlen zu schönen?23.3.2010

Die größte deutsche Sozialreform „Hartz IV“ wurde vor 5 Jahren eingeführt. Seitdem kämpfen Bedürftige, Fallmanager in Jobcentern und Sozialrichter mit den Gesetzen und Regeln der Neuorganisation von Arbeits- und Sozialamt.

Jeder dritte Berliner lebt von Hartz IV. Wer diese Hilfe einmal bezieht kommt nur schwer wieder davon los. Und das bedeutet oft auch gesellschaftlich abgemeldet zu sein. Was für die Jobcenter ein Instrument zum Fordern und Fördern sein soll, überfordert viele Menschen die Hartz IV Leistungen in Anspruch nehmen müssen. Sie sind in der Nachweispflicht, selbst wenn das Geld längst auf einem falschen Konto gelandet ist. Erst einmal wird gekürzt – vor allem seit klar ist, dass Hartz IV mehr kostet als von der Bundesregierung jährlich eingeplant ist. Die Stimmung ist angespannt – das Image der Jobcenter nach fünf Jahren so schlecht wie nie. Die Betroffenen kämpfen mit existentiellen Problemen, wenn ihnen Leistungen nicht rechtzeitig ausbezahlt werden. So wie Familie Michael aus Berlin-Karlshorst, die vom Arbeitslohn der Ehefrau alleine nicht leben kann und auf eine so genannte Aufstockung durch Hartz IV angewiesen ist. Welche Konsequenzen und Versäumnisse unregelmäßige Hartz IV Zahlungen und komplizierte Bescheide haben, wird in dieser Reportage von Elle Langer deutlich. Die einen fordern, statt zu fördern, die anderen kämpfen um ihr Recht. Ohne Anwalt geht es oft nicht.

Teil 1:

Teil 2:

Teil 3

Teil 4

Gefunden beim rbb Fernsehen

Kann der Weg aus Hartz IV zur Falle werden?11.3.2010

Seit sieben Jahren, so berichtete stern TV gestern Abend, ist Martina Streibel arbeitslos und auf Hartz IV angewiesen. Sie schrieb hunderte von Bewerbungen, die jedoch erfolglos blieben. Um Ihren Traum, ohne Hartz IV leben zu können, zu erfüllen, fasste Sie einen Entschluss.

Als leidenschaftliche Köchin schrieb Sie Ihr eigenes KochbuchHartz-Haft, aber lecker“. Es wurde wider Erwarten ein großer Erfolg, so dass sich Martina Streibel im November 2009 bei der Arbeitsagentur von Hartz IV abmeldete und den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Kurze Zeit später  meldet sich ihr Sachbearbeiter und teilt ihr mit, dass sie sich nicht einfach abmelden könne, da Ihr  Bewilligungszeitraum bis zum 31. Dezember 2009 liefe. Trotzdem arbeitet Martina Streibel an Ihrem Kochbuchprojekt weiter.

Die Kochbuchautorin erhält dann im Februar 2010 von der Arbeitsagentur eine Rückforderung von knapp  4000 Euro, da sie unrechtmäßige Leistungen bezogen haben soll. Der Grund liegt darin, dass die Agentur von einem halbjährigen Bewilligungszeitraum ausgeht und somit die Gewinne aus ihrem Nebenverdienst über diesen Zeitraum addiert. Das Problem liegt dabei in der Gesetzgebung, nach der sich viele Sachbearbeiter strikt zu richten scheinen, ohne auf den Einzelfall zu schauen.

Inzwischen hat Martina Streibel Widerspruch gegen die Rückforderung eingelegt und ihr Anwalt Steffen Bundrück rechnet damit, dass ihre Chancen zu gewinnen bei 70% bis 80% liegen. Er sagt: “Im Gesetz steht, dass man sich jederzeit von den Arbeitslosengeld-II-Forderungen abmelden kann und meines Erachtens nach in diesem Fall nicht von sechs Monaten Bewilligungszeitraum auszugehen ist, sondern lediglich von vier Monaten”. Bis der Rechtsstreit entschieden wird, können allerdings noch 2-3 Jahre vergehen.

Den ganzen Artikel zu dieser Sendung finden Sie bei  stern TV.

Weshalb werden Firmen, die Dumpinglöhne bezahlen von den ARGEn nicht zur Kasse gebeten?05.3.2010

Susan Bonath lebt von Hartz IV. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern wollte sich als Küchenhilfe mit dem Kantinen-Job etwas dazu verdienen. Laut Arbeitsvertrag verdiente sie gerade einmal 2,66 Euro pro Stunde. Doch 2,66 Euro sind eigentlich verboten wenig. Sie selbst sagt: “Ich hatte eben wenig Geld und ich hatte viele Ausgaben, was man ja manchmal auch hat und war auf jeden Cent angewiesen. Darum war ich einfach gezwungen, das zu machen.”

Der Chef von Susan Bonath, ein Gaststättenbesitzer der mehrere Kantinen betreibt, hat dabei kein schlechtes Gewissen und meint: “Allein von diesen 2,66 in der Stunde, davon muss sie ja gar nicht leben. Sie hat ja noch mehr Einnahmen.” Und weiter sagt er: “Hartz IV zum Beispiel. Und da leben ja die Leute in Deutschland mit Hartz IV ja nicht schlecht.”

“Glauben die, ich will nicht weg von Hartz IV”?02.3.2010

Ein 39-Jähriger aus Nauen muss seit 5 Jahren am Existenzminimum leben, weil er trotz Anstrengung keinen ordentlichen Job findet. Guido Westerwelle nennt er einen Dummquatscher, einen, dem er gern mal seine Meinung sagen würde, denn wer so tut, als seien Hartz IV Empfänger Abzocker, der hat ja keine Ahnung, sagt Peter Süter. Ständig  bescheiden und dennoch stark zu sein, das geht an die Nieren, sagt er weiter. Kein Geld, kein Job, kein Geld – das kann zur Endlosschleife werden und wer einmal in Hartz IV ist, kommt meist nur schwer wieder heraus.

„Mit Hartz IV, da wirst du in eine soziale Schicht gedrängt, in der du gar nicht sein willst“, sagte der gelernte Maurer der von 359 Euro – so hoch ist für Alleinstehende der aktuelle Regelsatz bei Hartz IV – leben muss. „Bei Hartz IV“, meint der 39-Jährige „gibt es keinen Cent zu viel.“

Der Maurer hatte schon immer genaue Vorstellungen vom Leben und dazu gehörte nicht, zu Hause zu sitzen und bei einer Pulle Bier auf die Glotze zu starren. Er wollte beruflich flexibel bleiben. Zehn Jahre lief alles glatt. Bis 2005 verdiente er gutes Geld, wohnte in einer netten Berliner Zwei-Raum-Wohnung und hatte auch sonst sein Auskommen. Kurz vor Weihnachten wurde er gekündigt. Er meldete sich arbeitslos aber für das höhere Arbeitslosengeld I, das man erst ab zwölf Monaten Vollzeitbeschäftigung erhält, fehlten ihm ganze sechs Wochen. So geriet er in Hartz IV.

Er weiß, dass es um seine Zukunft nicht unbedingt rosig bestellt ist aber die Hoffnung auf einen ordentlichen Job will er trotzdem nicht aufgeben. „Irgendwann wird es schon klappen.“

Den ausführlichen Artikel findet man bei der Märkischen Allgemeinen

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